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Outdoormesser - heute ein NoGo?

Messer - ein mit Vorurteilen behaftetes Werkzeug nach den Vorfällen der letzten Zeit... und trotzdem ein wichtiges Utensil für Leute, die viel draußen in der Natur unterwegs sind, ob als Wanderer oder wie ich, als Fotograf.

Immer schon war ein Messer Bestandteil meiner Ausrüstung im Fotorucksack. Anfangs war es das typische 'Schweizer Offiziers-messer' von Victorinox, welches aber bei den gestellten Anforderungen keine befriedigenden Ergebnisse brachte. Selbst zum Teilen einer Stulle mit dem Kumpel war es zu klein.

Also habe ich dem Thema 'Messer' mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Man will ja schließlich auch mal eine Astgabel zur Objektivauflage schnitzen können und kleine Zweige und Grashalme abschneiden, um freien Blick zu bekommen. Jäger und Angler, dachte ich, sind doch auch auf gutes Werkzeug angewiesen. Also schaute ich mich da mal um ...

Zwei Messer, eines von 'Farm-Land' und eines von 'Lindbloms Knivar Sweden' wurden gekauft; beide Messer aus rostfreiem Stahl, das aus Schweden musste sogar noch selbst geschärft werden. Zugegeben, beide Messer liegen gut in der Hand, aber Schnitthaltigkeit und dauerhafte Schärfe war nicht so gut.

Feststehende Messer
Feststehende Messer

Dann stieß ich vor etwa zwei Jahren auf die Marke 'Opinel' (www.opinel.com) eines traditionsreichen Messerherstellers aus Savoyen, Frankreich. Zuerst habe ich mir das 'Opinel Nr.8' mit Klinge aus Carbonstahl gekauft. Carbonstahl, das weiß jeder Kenner, zeichnet sich durch leichte Schärfbarkeit und Schnitthaltigkeit aus, hat aber den Nachteil, sich im Laufe der Zeit zu verfärben. Trotzdem kam in diesem Jahr noch das 'Opinel Nr.10', ebenfalls mit Carbonstahlklinge, dazu. 

Opinel Nr.8 und Nr.10
Opinel Nr.8 und Nr.10

Das 8er kann man notfalls in der Hosentasche mitführen, für das 10er konnte ich im Fachhandel eine Gürteltasche finden. Kurz vor Weihnachten 2018 habe ich mir noch das 'Opinel Nr. 12 Slim' mit INOX-Klinge geleistet, für die Hosentasche viel zu groß und ein gutes Holster im Fachhandel nicht zu bekommen ...

Da bot mir ein guter Bekannter, der sich mit der Lederverarbeitung auskennt und für alles mögliche Hüllen und Applikationen aus Leder herstellt, an, mir für dieses Messer ein passendes Gürtelholster anzufertigen. Dabei entstand dann folgendes Unikat, dessen Werdegang ich hier mit einigen Fotos zeigen will:

Ich habe die Herstellung der Messerscheide ja nicht live mitbekommen, aber es muss wohl ein ziemlicher Aufwand gewesen sein...

  • Es wurde eine Skizze auf dem Leder gezeichnet mit allen Verarbeitungsschritten und Merkmalen (z.B. gekrümmter Griff).
  • Dann wurde die Gürtelschlaufe geschnitten, punziert und genäht,  bekam einen Lammfellausschlag zum Schützen der Nähte.
  • Der Grobschnitt der Messerscheide wurde in Form gebracht , eine Nahtschutzkante angebracht und die Gürtelschlaufe aufgearbeitet.
  • Nach dem Vernähen mit starkem 0,8mm Garn wurde sie an der Nahtkante geschliffen und diese und ebenfalls die komplette Hülle hochglanz-wasserverdichtet.
  • Danach erhielt sie eine Tiefenimprägnierung mit reinem Bienenwachs-Balsam.
  • Man sieht hier eine reine hochwertige Handarbeit ohne Einsatz von Maschinen in bester Qualität bezüglich des 3,3mm starken Rindhalsleders und der meisterhaften Verarbeitung.

Soweit ich weiß, hat mein Bekannter rund 18 Std. Handarbeit in dieses Holster, ich will es 'Kunstwerk' nennen, liebevoll investiert.

 

Wenn jemand Spaß und Lust an einem handgearbeitetem Lederaccessoir hat, bitte bei mir melden. Ich gebe die Anfrage gern weiter!

 

Jetzt mag man sich die Frage stellen: Darf man solche Messer in Deutschland überhaupt mitführen? Ja, man darf, solange man damit nicht gerade auf öffentlichen Veranstaltungen, im Kino oder im Fußballstadion herum läuft. Tue ich ja nicht! Und da die Messer nur zweihändig zu öffnen sind und die Klingenlänge 12cm nicht übersteigt, darf ich es auf meinen Fototouren in der Natur mitführen. In anderen europäischen Ländern sieht das aber ganz anders aus. Also vorher erkundigen, bevor man ins Ausland fährt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Anonym (Sonntag, 06 Januar 2019 15:38)

    Sehr tolle Arbeit , ich denke nur das dies fast Unbezahlbar ist wenn mann die std. alleine mal bedenkt.
    aber ich freu mich soetwas Sehen und endecken zu können.